Psychische Probleme lassen sich nur in individueller Betreuung bearbeiten. Wir versuchen, den Weg psychisch erkrankter Menschen von der ärztlichen, meist stationären Behandlung bis hin zur neuen Selbständigkeit zu überbrücken. Wir arbeiten professionell, aber nicht als Teil einer profitorientierten Gesundheitsmaschinerie. Unsere Zielgruppe sind psychisch kranke Menschen, die mittel- oder sogar langfristig mit Einschränkungen und Behinderungen leben müssen. Dies können Menschen mit Erkrankungen wie Psychosen, Neurosen, Persönlichkeitsstörungen oder einer Borderline-Störung sein. Wir bieten ihnen eine Fülle von Möglichkeiten, in einer beziehunsorientierten Betreuung wieder Luft zu holen oder auch einmal Luft abzulassen.
Lage und Umgebung
Die Brücke befindet sich in einer Gründerzeitvilla aus dem Jahr 1902 mit einem großen Garten hinter dem Haus. Sie liegt verkehrsgünstig in der Nähe des Zentrums von Bochum-Wattenscheid. Bushaltestellen befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft.
Kontakt- und Beratungsstelle
Jeder ist hier willkommen, so wie er ist. Wir bieten hier einen offenen Treffpunkt für Menschen mit psychischen Schwierigkeiten, die in ihrer Tagesgestaltung überfordert sind, aber dennoch keine umfassende Betreuung wollen oder benötigen. Hier treffen sich Menschen, die in Bochum-Wattenscheid oder Bochum-West wohnen. Treffpunkt, das heißt zunächst: sympathische Menschen treffen. Die Kontaktstelle bietet noch mehr:
- Beratung in Lebensfragen und Vermittlung von Krisenhilfe
- Kompetenzförderung im lebenspraktischen Bereich, z.B. durch gemeinsame Vor- und Zubereitung des Mittagessens, bei Hygiene und Wäschepflege, im Umgang mit Eigentum
- Information über psychiatrische Versorgungsmöglichkeiten und – wenn nötig – die Vermittlung dorthin, Zusammenarbeit mit kooperierenden Einrichtungen
- Beratung in sozialrechtlichen Fragen und der Sicherung von Ansprüchen
- Unterstützung bei individueller und gemeinschaftlicher Freizeitgestaltung
- Verabredung gemeinsamer Unternehmungen
- Gemeinsame Organisation von Ausflügen, offenen Veranstaltungen (z.B. Disco-Besuch), Nachbarschaftsfesten und einer Ferienfreizeit
- Beschäftigung im kreativen Bereich, Computerkurse
- Frauengruppe
Die Kontakt- und Beratungsstelle wird von der Stadt Bochum gefördert. Der Besuch ist kostenfrei. Für Mittagessen und Ausflüge wird ein geringer Kostenbeitrag erhoben.
Tagesstätte
Die Tagesstätte gibt zwanzig Menschen - jungen und älteren Erwachsenen - einen strukturierten Tagesablauf. Drei Mitarbeitende begleiten die Besucher und Besucherinnen bis zur selbständigen Lebensführung. Menschen mit einer psychischen Behinderung, für die ohne dieses Angebot der langfristige Aufenthalt in Klinik oder Heim notwendig sein könnte, finden hier gezielte und geplante Förderung. Sie verpflichten sich, mindestens an drei Tagen in der Woche die Tagesstätte aufzusuchen. Das Betreuungsangebot umfasst:
- Lebenspraktische Bereiche: Haushaltsführung, gemeinsam zubereitetes, tägliches Essen, Selbstversorgung, Körperpflege, Behördengänge
- Sozio-emotionale Bereiche: Kontaktaufnahme, Konzentrationsübung und Entspannung, Freizeit- und Beziehungsgestaltung
- Arbeitstherapie: Buchbinderei, PC-Kurse, Holzwerkstatt, Gärtnern, Malen
- Vermittlung zur beruflichen Rehabilitation oder in Werkstätten für Behinderte.
In den Bochumer Versorgungs-Sektoren für ambulante psychiatrische Angebote können individuelle Hilfepläne vereinbart werden. Die Brücke ist für den Sektor West (Bochum-West und Wattenscheid) zuständig. Der Besuch der Tagesstätte ist für die Besucher kostenlos. Für Mittagessen und Ausflüge werden geringe Selbstkostenbeiträge verlangt. Die Tagesstätte wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe finanziert.
Cafeteria am Klaus-Steilmann-Berufskolleg
Ein erfolgreiches Arbeitserprobungs-Projekt der Brücke ist die Cafeteria am Klaus-Steilmann-Berufskolleg an derWestenfelder Straße. Dort betreiben etwa zwanzig Besucherinnen und Besucher der Brücke unter professioneller Betreuung das Café – im Schichtdienst und je nach ihrer Leistungsfähigkeit mit unterschiedlichen Arbeitszeiten. In dieser externen Arbeitstherapie erleben psychisch Behinderte im direkten Kontakt zu ihren Kunden, dass sie gesellschaftlich anerkannt arbeiten. Umgekehrt erfahren Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte der Bochumer Berufsschulen, wie problemlos der Kontakt zu psychisch Erkrankten sein kann.
Unter alltäglichen Bedingungen können die hier arbeitenden Besucherinnen und Besucher aus Kontaktstelle und Tagesstätte ihre Stärken und ihre Grenzen erproben - oft ein erster Schritt zum Wiedereinstieg ins selbständige Leben. Die Brücke kann mit dem Betrieb der Cafeteria die Vorurteilsschwelle senken, die immer noch zwischen psychisch Behinderten und Nicht-Behinderten besteht.
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